
Wie geht betreuter Winterschlaf?
Eigentlich sehr unproblematisch, denn zum Schlafen brauchen unsere Stachelfreunde nicht viel Platz. Sie sollen ja schließlich schlafen.
1. Was sie vor allem brauchen ist Kälte, ganz viel Kälte, denn ohne Kälte wird es mit dem Schlafen insbesondere bei den Jungigeln schwierig. Bitte keine Isolierungen oder Ähnliches anbringen!
Sie müssen so kalt wie möglich stehen!
Deswegen reichen Kellerräume in der Regel nicht aus!

Der Draht ist 20 cm im Boden versenkt.
2. Zum Zweiten brauchen sie ein trockenes Plätzchen, damit sie nicht nass regnen.
Geeignet sind selbstgebaute oder gekaufte Freilaufgehege (mit Folie, Plane etc drüber), Unterstände, überdachte Terrassen, Carports, Garagen (mit Tageslicht), Scheunen, Gartenhäuser und Anbauten jeglicher Art.
Aber Achtung:
Der Ort sollte im Frühjahr nicht zu schnell aufheizen, also lange im Schatten stehen, sonst wird der Igel zu früh wach. Gewächshäuser sind aus diesem Grund nicht geeignet.

Geschlafen wird bis ca. Mitte April, es kann aber auch Mai werden. Jungigel haben häufig noch einen sehr unruhigen Schlaf, auch bereiten die zunehmend wärmeren Wintertemperaturen unseren Igeln Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen.
Deswegen sollte in der Unterkunft immer frisches Wasser sowie Trockenfutter oder getrocknete Larven (Soldatenfliegenlarven sind gut geeignet) bereitstehen. Und natürlich regelmäßig gewechselt werden. Je nach Luftfeuchtigkeit ungefähr einmal pro Woche.

Für sein Schlafquartier ist eine geräumige Holzhütte mit den Optimalmaßen 30 x 30 x 30 cm wünschenswert, die den Bau einer gemütlichen Nisthöhle ermöglicht und gleichzeitig über eine gute Luftzirkulation verfügt.
Sind keine Luftschlitze/ Luftlöcher vorhanden, legt man ein Hölzchen unters Dach. Nach unserer Erfahrung gibt einer von zehn Igeln so viel Körperfeuchtigkeit ab, dass es zu einer Schimmelpilz-Entwicklung unter dem Dach kommt, die in der Folge einen massiven Milben-/ Pilzbefall beim Igel auslöst.
Bitte die Unterseite des Daches regelmäßig auf Schimmel-/ Pilzbefall kontrollieren!

Sollte der Igel dermaßenen Spaß am Nestbau finden, dass das Dach wegfliegt... so wie hier im Foto :-), dann lasst ihn ohne Dach schlafen. Seine Nisthöhle wird sehr dicht gedreht sein und von oben gibt es ja keinen Regen.
Verfügt das Schlafhäuschen über einen Labyrintheingang kann dieser entfernt werden, um den Innenraum zu vergrößern. Ein Labyrintheingang dient der Abwehr von Katzen und bringt in einem Schlafhäuschen keinen Sinn. Katzen interessieren sich nicht für schlafende Igel.
Genauso raten wir von einer Rattenklappe am Schlafhäuschen ab. Ratten gehen nicht an ausgewachsene, fest zusammengerollte Igel. Diese Klappen sind sogar eher gefährlich, wenn sich Nistmaterial darin verheddert und der Igel nicht mehr aus dem Häuschen herauskommt.
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![20251209_111619[1].jpg](https://static.wixstatic.com/media/d8d306_e2028f471f5f4e6ea06ec7b5af9d27b5~mv2.jpg/v1/crop/x_0,y_0,w_2992,h_2786/fill/w_421,h_392,al_c,q_80,usm_0.66_1.00_0.01,enc_avif,quality_auto/20251209_111619%5B1%5D.jpg)
Kurzhalmstroh als aufsaugende Matratze
zusätzliche
Platte
Grundsätzlich lässt man den Schlafbereich/ das Winterschlafhäuschen nach Einzug des Igels in Ruhe, im Häuschen wird nicht mehr sauber gemacht.
Im Schlafbereich stellt man Stroh (Langhalmstroh) bereit, aber legt zusätzlich noch einiges an Strohreserve vor/neben den Schlafbereich. Igel lieben es, sich ihr Nest selber zu bauen und zu dekorieren.
Da sie häufig nicht sofort einschlafen ist es wichtig, außerhalb des Häuschens den Harn irgendwie aufzufangen. Zeitungen sind dazu gänzlich ungeeignet, da sie sich mit Luftfeuchtigkeit und Harn vollsaugen und im nassen Zustand ins Häuschen gezogen werden. Was wiederum Milben-/ Pilzbildung beim Igel hervorruft. Geeignet als aufsaugende Matratze ist sogenanntes Kurzhalmstroh für Kaninchen, erhältlich im Fachhandel.
Trotz aller Maßnahmen kann es passieren, dass Feuchtigkeit an den Wänden des Häuschens hochzieht. Um restlos sicher zu gehen, kann man eine zusätzliche Platte unter das Schlafhäuschen legen.


Natürlich kann man auch Stroh aus dem Pferdestall einsetzen. Durch den häufig sehr hohen Staubanteil kann es beim Igel jedoch zu Husten und/ oder Augenproblemen kommen.
Heu: Bitte nicht verwenden!
Die Heuhalme sind sehr stabil, wickeln sich unter Umständen um die Beinchen und schnüren diese regelrecht ab. Zudem schimmelt Heu sehr schnell.
Zeitungen nie im Außenbereich einsetzen!
Zeitungen ziehen Luftfeuchtigkeit an, sind ganz schnell feucht und schimmeln.
Laub: Kann man einsetzen, wenn es gründlich getrocknet ist. Grundsätzlich raten wir ab, Laub einzusetzen, da wir bereits mehrere Fälle von Milbenbefall hatten, die vermutlich durch kontaminiertes Laub ausgelöst wurden.

Kombination von Überwinterung und Auswilderung
Optimal sind dafür sogenannte Freilaufgehege für Kaninchen, die für Igel nach dem Tierschutzgesetz eine Mindestgröße von 1 x 2m haben sollen.
Wichtig ist ein Unterbuddelschutz! Entweder legt man Steine um das Gehege oder kauft ein Gehege, in dem der Unterbuddelschutz bereits integriert ist. Weitere Infos dazu auf unserer Seite zur Auswilderung.
Überwintert der Igel in diesem Gehege und ist die Umgebung igelgerecht, kann er im Frühjahr aus diesem Gehege gleich ausgewildert werden. Handelt es sich für den Igel um ein neues Revier sollte die Eingewöhnungszeit im Gehege 14 Tage umfassen.

Überwinterungsplätzchen
Nun hat nicht jeder die Möglichkeit zur Auswilderung. Bei mehreren Winterschläfern ist es oftmals auch unmöglich, soviel Platz für Freilaufgehege bereit zu stellen. Aber soviel Platz braucht ein Igel während des Winterschlafes gar nicht.
Als praktische Alternative bieten sich Kaninchenkäfige, Stecksysteme oder auch selbstgebaute Winterschlaf-Boxen an. Schließlich soll der Igel ja erst einmal nur schlafen. Im Frühjahr erfolgt dann der Umzug in ein großes Freilaufgehege zwecks Auswilderung.

Wann geht der Igel nun in den Winterschlaf?
Es muss ausreichend Winterspeck vorhanden sein, damit der Igel davon im Schlaf zehren kann. Gewichtsabnahmen von 50-100g sind völlig normal und müssen im Frühjahr wieder angefuttert werden, bevor es in die Freiheit geht. Jungigel sollten deshalb vor dem Winterschlaf wenigsten 650g wiegen, besser natürlich deutlich mehr.
Ausnahmen bestätigen diese Regel, sollten aber unbedingt mit uns abgesprochen werden!
Gefüttert wird im Winterschlafquartier zunächst so wie der Igel es bisher gewohnt war. Futterentzug, um den Igel zum Einschlafen zu zwingen, ist völliger Blödsinn. Will der Igel trotz Kälte nicht einschlafen muss geprüft werden, ob ggf. ein wieder aufflammendes Wurmproblem vorliegt.
Interesse, einen jungen Stachelfreund zu überwintern?
Bitte meldet euch, wenn ihr aus Beckum und Umgebung kommt. Wir haben Käfige und Häuschen zum Verleihen.
Hier folgen jetzt einige Beispiele von selbstgebauten Überwinterungs-und Auswilderungshäuschen und Gehegen.




Gehege mit Überklettersperre sowie Gittern am Boden als Unterbuddelschutz.

Das Gehege hat ein fest abschließendes Dach, da die Igel ansonsten am Draht hochkletten. und flüchten.


Hier im Foto seht ihr ein aktuell fertiggestelltes Winterschlaf-Luxusrefugium von unserer lieben Päpplerin, Ulrike aus Neubeckum.
Der Ursprung besteht aus einem Schwerlastregal, das entsprechend aus- und umbaut wurde. Kostenaufwand liegt bei ca 150€. Wichtig ist ein Familienmitglied, das Freude an der Baumaßnahme hat.
Das einzelne Abteil besteht aus einem abgetrennten Schlafbereich, der zum Saubermachen im Frühjahr geöffnet werden kann sowie dem Fütterungsbereich.


